Am 26.11.2010 wurden im Römisch-Germanischen Museum Köln zusammen mit Klaus Düwel das Bügelfibelfragment von Bad Ems (KJ 142) und die Bügelfibel von Beuchte (KJ 8) untersucht. Die Unterschiede in den Gravurmerkmalen der beiden Inschriftenteile sowie die Charakteristika der Absetzungsweise der Fußplatte lassen neue Ansätze zur Interpretation des Runenfundes von Bad Ems zu, die im Vortrag näher erörtert werden.

Weitaus interessanter mag die intensivere Neubetrachtung des Ornaments auf der Fußplatte der Bügelfibel von Beuchte sein, zu der Wolfgang Krause in RäF 1966: 27 schreibt:

„Das in 5 Quadrate eingeteilte Zierband auf der Rückseite des Tierkopffußes scheint in der Ausfüllung mit diagonalen Strichen das Sanduhrzeichen von Ritzung C rein ornamental vervielfältigt zu haben;… .“

Doch schon in der Erstpublikation von Krause und Niquet bemerkte W. Völksen 1956: 100 f.:

„… und ferner sehen wir auf der entsprechenden Seite des Tierkopffußes ein fünfmal sich wiederholendes geometrisches Muster, dessen quadratisches Feld durch Strichritzungen weiter aufgeteilt ist …. Durch die benachbarten in gleicher Weise aufgeteilten Felder erfährt das Muster jeweils eine Ergänzung, so daß sich die fünf quadratischen Felder gewissermaßen zu einem neuen Muster in unendlicher Abfolge aneinander reihen. Die vollständige Zeichnung ist 6 mm hoch und 22 mm lang. Beide Ritzzeichnungen zeigen grundsätzlich in der diagonalen Aufteilung von Quadraten, woraus sich Dreiecke ergeben, eine gewisse Ähnlichkeit, wenn auch die Zeichnung auf dem Tierkopffuß durch Hinzufügung weiterer Ritzungen reicher ausgeführt ist als die Dreieckszeichnung unterhalb der BURISO-Ritzung.“

Beuchte

Verteilung der Einzelrunen des älteren Futhark auf das Ornament der Bügelfibel von Beuchte

Der Gedanke, dass in der vorliegenden Ornamentik eine Runenform (d-Rune) beinhaltet ist, wurde nun von mir konsequent weiterverfolgt. Das Ergebnis wird auf der Beilage ersichtlich: Durch Teilung eines dieser sogenannten Quadranten (de facto ca. 6 mm H zu ca. 4 mm B) durch zwei sich kreuzende Diagonalen (g-Rune) ergibt, unter Einbeziehung der beiden Ränder des Rechtecks zur Rechten und zur Linken, von ganz allein die d-Rune. In der Kreuzung der Diagonalen ist ein kleiner Winkel aufgesetzt, der, diese einbeziehend, eine Variante der ing-Rune darstellt. Ein weiterer kleiner Winkel vor dem rechten Ende des Rechtecks stellt die gewöhnliche Form der k-Variante dar. Bezieht man dessen Spiegelung im anschließenden Rechteck mit ein, erhält man eine weitere Möglichkeit der Schreibung einer ing-Rune, nimmt man die senkrechte linke Begrenzung des Folgerechtecks per se (i-Rune) und verbindet sie mit dem anschließenden kleinen, inneren Dreieck, ergibt sich die th-Rune etc. Doch ist in dem durch den Graveur dieses Ornaments vorgegebenen Schlüssel nicht das gesamte ältere Futhark repräsentiert, denn erst unter Berücksichtigung der genialen Völksen‘schen Voraussetzung einer Grundidee von einer Unendlichabfolge der Einzelelemente dieses Dekors, und zwar sowohl in horizontaler, wie auch in vertikaler Richtung lassen sich nicht nur beide Bestandteile der Beuchter Runeninschrift, sondern sogar sämtliche Glieder der gemeingermanischen Runenreihe abbilden. Anlässlich unserer letzten Autopsie der Fibel am 18.11.2013 in Soest ermunterte mich Klaus Düwel, diese Gedankengänge vorzulegen.