Kennzeichnend für den Übergang vom Älteren Futhark zum Jüngeren Futhark im 7. und 8. Jh. ist in Skandinavien eine Reduzierung des Zeichenbestands von 24 auf 16 Zeichen, obwohl zu dieser Zeit durch sprachhistorische Lautwandelprozesse (z.B. Umlaut) eine erhebliche Erweiterung des Phonembestands zu verzeichnen ist. Es kam also dazu, dass die Runenreihe der Wikingerzeit (ca. 800-1100) aus 16 Zeichen bestand, jedoch bei weitem nicht das jeweilige Phonemsystem abdeckte. Um bestimmte Phoneme doch abbilden zu können, begann man um das Jahr 1000 in Dänemark und kurze Zeit später in anderen Gebieten Skandinaviens bestimmte ambigue Runengrapheme durch diakritische Zeichen in Form von Punkten bzw. kurzen Strichen zu differenzieren. Mit diesem diakritischen Zeichen sollte angezeigt werden, dass der intendierte Lautwert von dem entsprechenden unmarkierten Runengraphem, also der Rune ohne Punktierung, abwich.

Während für die schwedischen Runensteininschriften der Wikingerzeit eine detaillierte Studie zum Gebrauch und zum Lautwert dieser punktierten Runen (schwed./dän. stungna/stungne, norw. punkterade, engl. dotted) durch Svante Lagman (1990) vorliegt, fehlt eine solche für die dänischen Inschriften bislang. Hier hat sich Karl Martin Nielsen (1960, 58-64) allein mit dem Gebrauch der punktierten i-Rune befasst. Daher soll sich dieser Vortrag eingehend mit dem Gebrauch der punktierten Runen in dänischen Runeninschriften befassen. Es soll ein Überblick gegeben werden, welche punktierten Runen, in welchem Umfang und für welche Laute Verwendung fanden. Desweiteren sollen die Erkenntnisse auch mit den Ergebnissen der Untersuchung Svante Lagmans (1990) verglichen werden.