Als erste skandinavische Runen, die in einem gedruckten Werk auftauchen, wird das „gotische“ Alphabet in Theseus Ambrosius‘ 1539 erschienenem Werk Introductio in chaldaicam linguam, Syriacam atque Armenicam, et decem alias linguas angesehen. Dieses stammt laut Text von Johannes Magnus. Im selben Jahr wurde außerdem Olaus Magnus berühmte Carta marina gedruckt, die ebenfalls eine kurze Runeninschrift enthält. Diese Runen tauchen sowohl in Johannes Magnus 1554 posthum erschienen Werk Historia … de omnibus Gothorum Svenvmque regibus als auch in der ein Jahr später veröffentlichten Historia de gentibus septentrionalibus seines Bruders Olaus Magnus auf. Auf diese wurde zwar immer wieder in der Forschung hingewiesen, aber eine intensive Auseinandersetzung mit den möglichen Vorlagen hat bisher nicht stattgefunden. Außerdem finden sich in der Literatur Hinweise auf ein im Jahr 1542 gedrucktes Messbuch der Gemeinde Runsten, Öland, in dem einige Psalmen in Runen abgedruckt wurden. Dieses Buch hat keinerlei weitere Aufmerksamkeit in der Forschung erhalten.

In meiner Dissertation beschäftige ich mich mit den skandinavischen Runen der frühen Neuzeit (1500-1720), welche auch Runen in gedruckten Werken behandelt. Im Vortrag soll versucht werden, den Ursprung der ersten gedruckten Runen durch einen Vergleich aller zur Verfügung stehenden gleichzeitigen und früheren Quellen (1200-1530) offenzulegen. Die Quellen sind dabei nicht nur auf die Epigraphik beschränkt, sondern es sollen erstmals auch sämtliche Runica manuscripta berücksichtigt werden.