RTI wurde im Jahr 2001 von Mitarbeitern der Hewlett-Packard Laboratories entwickelt und erstmalig in einem Paper mit dem Titel „Polynomal Texture Maps“ beschrieben. Die daraus entstandene unter der GNU General Public License 3 veröffentliche Software RTIBuilder erstellt ein mathematisches Modell der Oberfläche des fotografierten Objekts und ermöglicht so eine interaktive Neuauslichtung des Objekts in der Betrachtersoftware RTIViewer (ebenfalls GNU General Public License 3). Die Bilder, aus denen das mathematische Modell am Computer entsteht, können mit einer normalen digitalen Spiegelreflexkamera und nur wenig weiterer Ausrüstung aufgenommen werden, wodurch sich auch die Kosten für die Ausrüstung in Grenzen halten. Die Technologie eignet sich damit zur Dokumentation sämtlicher Inschriftenträger, von kleinen Fibeln über große Runensteine bis hin zu Handschriften. Erste Versuche mit der Software, die im Rahmen des Projekts „Runische Schriftlichkeit in den germanischen Sprachen“ unternommen wurden, haben die Praxistauglichkeit der Methode bewiesen. Dabei konnten Lesungen einiger Runeninschriften im süddeutschen Raum weiter abgesichert werden, andere mussten dagegen revidiert werden.

Das Poster soll einerseits den (software-)technischen Hintergrund erklären, andererseits das praktische Vorgehen bei der Dokumentation der Inschriften mithilfe der RTI-Methode zeigen. Beispielhaft hierfür sollen zwei Inschriften des südgermanischen Runenkorpus vorgestellt werden: die S-Fibel von Aschheim und die Inschrift im Kleinen Schulerloch. Außerdem soll ein (eigener) Laptop mit den Aufnahmen zur Verfügung gestellt werden, um Interessenten ein eigenes Ausprobieren der Software zu ermöglichen.