In der thematic session „Runic Graphemics“ sollen verschiedene Aspekte der Analyse runischer Allographen, der Entwicklung runischer Schriftsysteme und Schreibvarianten sowie Fragen der Dokumentation diskutiert werden. Neben den Runen in ihrer Verwendung als primäre Schriftsysteme sollen auch die Varianten der späteren gelehrten Tradition und die dort belegten Weiterentwicklungen einbezogen werden.

Als grundlegend für eine runische Graphematik müssen diagnostische Verfahren gelten, die zur Differenzierung zwischen runischen Allographen und anderen auf den Schriftträgern befindlichen Zeichen, wie z. B. Kapitaliszeichen, herangezogen werden können (vgl. Vortrag Ute Zimmermann). Damit in Zusammenhang steht implizit auch die Beschreibung und Differenzierung runischer Graphen, die schließlich Graphemen als den distinktiven Grund­einheiten der runischen Schriftsysteme zugeordnet werden können (vgl. Vorträge Gaby Waxenberger und Alessandro Palumbo). Graphemanalysen und Graphemsysteme müssen jedoch stets in Abhängigkeit von Sprachsystemen gesehen werden. Die Entwicklung dieser Sprachsysteme hat wiederum, in unterschiedlicher Ausprägung, vielfältige Schreibvarianten und Veränderungen innerhalb der runischen Schriftsysteme zur Folge (Vorträge Jana Krüger, Christiane Zimmermann). Die gelehrte Tradition zeigt darüber hinaus weitere Entwicklungen und Reinterpretationen belegter primärer Runenformen (Vorträge Alessia Bauer, Andreas Fischnaller). Eine zusammenhängende und übergreifende Dokumentation derartiger Analysen (digital oder in Form einer Papieredition) stellt dabei besondere Anforderungen an die Beschreibungssprache und Terminologie, die zudem historisch gewachsene Begriffsverwen­dungen berücksichtigen bzw. harmonisieren muss (Vorträge Kerstin Kazzazi, Edith Marold).